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Anlagestrategie

Daniel Kahneman über Kapitalanlagen: Warum aktive Fonds scheitern

Nobelpreisträger Daniel Kahneman entlarvt aktives Fondsmanagement als Illusion. Selbstüberschätzung und Emotionen führen zu schlechteren Renditen.

02. Dezember 2025
8 Min. Lesezeit
1 Aufrufe
Von Ulrich Schild von Spannenberg

Die Illusion des aktiven Fondsmanagements

Prof. Dr. Daniel Kahneman (1934–2024) war einer der bedeutendsten Psychologen des 20. Jahrhunderts. Für seine bahnbrechenden Arbeiten zur Entscheidungsfindung und zu kognitiven Verzerrungen erhielt er 2002 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften – als erster Psychologe überhaupt. Er begründete die Verhaltensökonomik, ein Forschungsfeld, das psychologische Einsichten in wirtschaftliches Verhalten integriert. Sein Buch „Thinking, Fast and Slow" zählt zu den einflussreichsten Büchern der modernen Sozialwissenschaften.

In zahlreichen Interviews, Publikationen und Vorträgen hat sich Kahneman auch zur Geldanlage geäußert – stets mit einer klaren Warnung: Aktives Fondsmanagement sei weitgehend ineffizient und beruhe auf einer psychologischen Täuschung.

„Die Vorstellung, ein Fondsmanager könne durch gezielte Auswahl von Aktien oder richtiges Timing dauerhaft den Markt schlagen, sei statistisch widerlegt."
— Daniel Kahneman

Dieser Artikel zeigt, warum aktive Fonds scheitern, welche psychologischen Fehler Anleger machen und warum passives Investieren die wissenschaftlich fundierte Alternative ist.


Die zentrale These: „Aktives Management ist eine Illusion"

Kahneman argumentierte, dass kurzfristige Erfolge meist durch Glück entstehen und Anleger fälschlicherweise von Können ausgehen. Dies bezeichnete er als die „Illusion of Skill". Er wies darauf hin, dass die Schwankungen in der Performance von Fondsmanagern in der Regel Zufallsprozessen folgen.

Die Evidenz: Aktive Fonds schlagen den Markt nicht

Statt auf vermeintliche Marktkenntnisse zu setzen, plädierte Kahneman für eine einfache, rationale Strategie im Rahmen von breitgestreuten, kostengünstigen Weltportfolios. Diese passive Anlageform sei nicht nur robuster gegen menschliche Fehler, sondern langfristig auch erfolgreicher – gerade, weil sie auf Marktprognosen verzichtet und stattdessen systematisch investiert.


Selbstüberschätzung: Der gravierendste Denkfehler an den Finanzmärkten

Ein zentrales Thema in Kahnemans Denken war die Selbstüberschätzung vieler Anleger. Wer glaubt, den Markt oder den perfekten Fondsmanager finden zu können, überschätzt meist seine eigene Urteilsfähigkeit. Laut Kahneman ist gerade diese Überkonfidenz einer der gefährlichsten psychologischen Fehler im Bereich Finanzen.

„Selbstüberschätzung ist der gravierendste Denkfehler an den Finanzmärkten."
— Daniel Kahneman

Die Folgen: Erhöhte Kosten und schlechtere Renditen

Viele glauben, durch eigenes Wissen oder durch Expertenrat besser abschneiden zu können als der Markt. Diese Überkonfidenz führe jedoch zu Fehlentscheidungen, erhöhten Kosten und letztlich oft zu schlechteren Renditen.


Die drei größten psychologischen Fehler beim Investieren

Kahneman identifizierte mehrere kognitive Verzerrungen, die Anleger systematisch zu schlechten Entscheidungen führen:

1. Illusion of Skill (Illusion des Könnens)

Fondsmanager und Anleger glauben, sie könnten durch Analyse, Erfahrung oder Intuition den Markt schlagen. Doch statistische Untersuchungen zeigen: Die Performance von Fondsmanagern folgt in der Regel Zufallsprozessen. Kurzfristige Erfolge sind meist Glück, nicht Können.

2. Selbstüberschätzung (Overconfidence)

Anleger überschätzen ihre Fähigkeit, zukünftige Marktentwicklungen vorherzusagen oder unterbewertete Aktien zu identifizieren. Diese Überkonfidenz führt zu:

  • Zu häufigem Handeln (höhere Transaktionskosten)
  • Konzentrierten Portfolios (höheres Risiko)
  • Market-Timing-Versuchen (schlechtere Renditen)

3. Emotionale Reaktionen (Panikverkäufe, Gier, Herdentrieb)

Darüber hinaus sah Kahneman das größte Risiko für Anleger nicht in geopolitischen Krisen oder Marktentwicklungen, sondern im eigenen Verhalten: Emotionale Reaktionen wie Panikverkäufe, Gier, Herdentrieb oder impulsives Handeln zerstören auf lange Sicht Vermögen.

„Das größte Risiko für Anleger liegt nicht in Marktentwicklungen, sondern im eigenen Verhalten."
— Daniel Kahneman


Der Schlüssel zum Erfolg: Disziplin und Geduld

Der Schlüssel zum Erfolg liege deshalb in Disziplin und Geduld:

  • Vermeide Selbstüberschätzung: Akzeptiere, dass du den Markt nicht vorhersagen kannst
  • Verzichte auf Marktprognosen: Niemand kann dauerhaft den Markt schlagen
  • Setze auf kostengünstiges, passives Investieren: Breitgestreute Weltportfolios (z.B. MSCI World, FTSE All-World)
  • Bleibe diszipliniert: Halte an deiner Strategie fest, auch in Krisen
  • Investiere systematisch: Nutze Sparpläne für regelmäßige Investitionen

Passives Investieren: Die wissenschaftlich fundierte Alternative

Kahneman plädierte für passives Investieren – langfristig sei das erfolgreicher:

„Investieren ist ein Bereich, in dem man mit Faulheit und Minimalismus Erfolg haben kann – indem man einfach breit gestreut investiert und nicht versucht, den Markt zu schlagen."
— Daniel Kahneman

Die Vorteile passiver Anlagestrategien

| Merkmal | Aktive Fonds | Passive Fonds (ETFs) | |---|---|---| | Kosten | 1,5-2,5% p.a. (TER + Ausgabeaufschlag) | 0,1-0,5% p.a. | | Performance | 80-90% schlagen den Markt nicht | Bilden den Markt 1:1 ab | | Transparenz | Intransparent (Fondsmanager-Entscheidungen) | Transparent (Index-Regeln) | | Risiko | Höher (Manager-Risiko, Konzentration) | Niedriger (breite Diversifikation) | | Emotionale Fehler | Anfällig (aktive Entscheidungen) | Robust (systematisch) |

Die Evidenz: 80-90% der aktiven Fonds scheitern

Zahlreiche Studien belegen: 80-90% der aktiv gemanagten Fonds schlagen ihren Vergleichsindex langfristig nicht. Die wenigen, die es schaffen, tun dies meist durch Glück, nicht durch Können – und sind im Voraus nicht identifizierbar.


Fazit: Kahneman entlarvt aktives Fondsmanagement als psychologisch trügerisch und finanziell ineffizient

Daniel Kahneman, Nobelpreisträger und Begründer der Verhaltensökonomik, entlarvte aktiv gemanagte Fonds als psychologisch trügerisch und finanziell ineffizient. Sein Rat: Vermeide Selbstüberschätzung, verzichte auf Marktprognosen – und setze auf kostengünstiges, passives Investieren.

Die drei Kernerkenntnisse

  1. „Illusion of Skill": Aktive Fondsmanager können den Markt nicht dauerhaft schlagen (statistisch widerlegt)
  2. Selbstüberschätzung: Der gravierendste Denkfehler an den Finanzmärkten – Anleger überschätzen ihre Urteilsfähigkeit
  3. Passives Investieren: Langfristig erfolgreicher durch breite Diversifikation, niedrige Kosten und Verzicht auf Marktprognosen

Die Lösung: Passives Investieren mit wissenschaftlicher Fundierung

Wer langfristig Vermögen aufbauen will, sollte auf passives Investieren setzen:

  • Breitgestreute Weltportfolios (z.B. MSCI World, FTSE All-World)
  • Niedrige Kosten (0,1-0,5% p.a. statt 1,5-2,5% p.a.)
  • Systematisches Investieren (Sparpläne, Rebalancing)
  • Disziplin und Geduld (keine emotionalen Reaktionen)

„Investieren ist ein Bereich, in dem man mit Faulheit und Minimalismus Erfolg haben kann – indem man einfach breit gestreut investiert und nicht versucht, den Markt zu schlagen."
— Daniel Kahneman


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Quellen

  • Daniel Kahneman: „Thinking, Fast and Slow" (2011)
  • Interview mit Jason Zweig, Wall Street Journal, 2011: https://www.wsj.com/articles/SB10001424053111903596904576512680534495972
  • Nobelpreis für Wirtschaft 2002: https://www.nobelprize.org/prizes/economic-sciences/2002/kahneman/facts/

Weiterführende Informationen: Offizielle Quelle | Weitere Studie

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Tags:

Daniel Kahnemanaktive Fondspassives InvestierenVerhaltensökonomikIllusion of SkillSelbstüberschätzung
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Ulrich Schild von Spannenberg

Seit über vier Jahrzehnten bewege ich mich im Spannungsfeld von Wirtschaft, Geld und Verantwortung. Mehr als zwanzig Jahre war ich in leitenden Positionen großer Finanzkonzerne tätig – bevor ich den Entschluss fasste, meine Expertise nicht länger für die Ziele dieser Konzerne, sondern ausschließlich für die Anliegen ratsuchender Menschen einzusetzen.

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